Open Publishing

gepostet am 15. Mai 2007 - 20:44

Open Publishing - auf deutsch in etwa offene Veröffentlichung - ist ein Prozess zur Erstellung von News und Informationen, an dem jedeR mit Internetzugang und minimalen Kenntnissen mitwirken kann. Dabei ist der Prozess für die UserInnen transparent und nachvollziehbar.

Der Indymedia Newswire funktioniert nach eben diesem Prinzip des Open Publishing. Es ermöglicht allen UserInnen, ihre gestalteten Beiträge (Texte, Fotos, Zeichnungen, Audios, Videos, Flyer...) sofort selbst auf einer Internetseite zu veröffentlichen und somit einem weltweiten Publikum zur Verfügung zu stellen.

Open Publishing geht davon aus, dass die UserInnen geistreich und kreativ sind, dass sie SchreiberInnen, RedakteurInnen, VerteilerInnen und vielleicht sogar ProgrammierInnen sein wollen. Dabei wird den LeserInnen unterstellt, dass sie Müll von guten Beiträgen unterscheiden können und fähig sind, sich selbst ein Urteil zu bilden, sowie selbst zu entscheiden, welche Informationen für sie jetzt bestätigt sind und bei welchen es sich um Gerüchte handelt. In den Prozess der Meinungsbildung kann mit Kommentaren, Ergänzungen, eigenen Berichten usw eingegriffen werden. Information ist immer subjektiv und die Entscheidung, ob eine Information wert ist, gelesen zu werden oder nicht, bleibt den UserInnen überlassen.

Open Publishing richtet sich gegen das traditionelle Verständnis von Medien, in dem wenige MedienmacherInnen Information für viele KonsumentInnen herstellen und an diese verkaufen. Die klassische Rollenverteilung wird aufgebrochen, MedienkonsumentInnen sind gleichzeitig MedienmacherInnen und gestalten ihr Medium selbst aktiv mit.

Die Inhalte werden nicht von (bezahlten) RedakteurInnen oder HerausgeberInnen gefiltert oder nach kommerziellen Kriterien aufbereitet. In der Regel werden nur in redaktionellen Beiträgen (wie Features) Veränderungen - durch Updates oder Ergänzungen - vorgenommen. Eine Ausnahme bildet die Verletzung von Persönlichkeitsschutz.

Aus dem Newswire werden nur doppelte oder kommerzielle Postings, Spam oder Beiträge, die gegen die Moderationskriterien verstossen, entfernt. Diese bleiben (bis auf Spam) jedoch weiterhin im Bereich der versteckten Artikel einsehbar. Der Newswire wird von den ModeratorInnen betreut. Da nicht immer alle Beiträge von den ModeratorInnen gelesen werden (können), ist es notwendig, dass sich die UserInnen an diesem Prozess beteiligen und - u.a. über Kommentare oder auf der Mailingliste - auf Verstöße gegen die Moderationskriterien hinweisen. Die UserInnen können redaktionelle Entscheidungen von anderen einsehen oder sich selbst an eben diesen beteiligen.

Prinzipien des Open Publishing

  • möglichst hierarchiefreie Strukturen
  • Aufbrechen des Verhältnisses ProduzentIn - KonsumentIn
  • öffentliche Beteiligung
  • minimale redaktionelle Kontrolle
  • Transparenz
  • Meinungsfreiheit
  • Copyleft
  • Verwendung freier Software

weitere Informationen zur Diskussion um Open Publishing (zum Teil auf englisch)

Dieser Text entstand im Rahmen des Reboots von at.indymedia.org. Nachdem das Projekt am 3. Mai 2004 vom Netz genommen wurde, kam es im Laufe des Sommers zu einer Reihe von Treffen, welche Möglichkeiten einer Weiterführung zum Thema hatten. Nach einer Restrukturierung ist Indymedia am 13. August 2004 wieder online gegangen.