"Wieviele sind hintern Gittern, die wir draußen brauchen!"
- Politische Gefangene - Sendung zu Repression und Widerstand. Zu hören über das Webradio Radio Flora aus Hannover per Livestream:
www.radioflora.de, am Dienstag, den 3. November von 18 - 19 Uhr
Themen:
- Zur Lage der krebskranken Gefangenen Güler Zere aus der Türkei
- 129b-Gefangene: Isolation verschärft - Schikanen gegen die Solibewegung
- "Das Feuer erlischt nicht": Wanderausstellung von Paolo Neri zu 8 toten Gefangenen, die den Knast nicht überlebt haben.
- Wer ist Güler Zere?
Die politische Gefangene Güler Zere ist seit 14 Jahren hinter türkischen Kerkermauern. Sie befindet sich derzeit in der Gefangenenzelle des Balcali Krankenhauses der Medizinischen Fakultät an der Cukurova Universität in Adana, nachdem sie an Mundhöhlenkrebs erkrankte.
Aufgrund der Isolation in den türkischen Gefängnissen wurde Güler die Möglichkeit entzogen, die Krankheit frühzeitig zu erkennen und eine wirksame Behandlung durchzuführen. Auch jetzt wird ihr keine ausreichende Behandlungsmöglichkeit zugesprochen. Sie befindet sich in Lebensgefahr.
- 129b-Gefangene: Isolation verschärft - Schikanen gegen die Solibewegung
Insgesamt stammen von den 15 politischen Gefangene in der BRD allein 7 aus der Türkei. Sie sind wegen § 129 b (Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung) inhaftiert. Die Haftbedingungen charakterisiert Faruk Eren so: "Das ist weiße Folter, mit dem Ziel uns zu zermürben" Faruk, ein türkischer § 129b-Gefangener, gegen den zur Zeit vor dem OLG in Düsseldorf prozessiert wird. Seit Monaten hat er nur mit seinem Anwalt und nahen Verwandten sprechen können. Er ist ansonsten 23 Stunden am Tag isoliert. Die Isolation wird noch dadurch verschärft , dass Briefe von solidarischen Freunden, wie dem türkischen TAYAD-Vorstand und Rechtsanwalt Behic Asci angehalten werden. Auch von ihm verfasste Briefe wurden schon beschlagnahmt. Die Summierung all dieser Repressionsmaßnahmen lassen für ihn dann auch nur den Schluss zu, dass es sich im Gesamten um ein "umfangreiches Isolationsprogramm" handelt. Mit kleineren individuellen Abweichungen sind die Bedingungen für die anderen linken türkischen § 129b-Gefangenen identisch.
Es ist erschreckend, mit welch simplen Begründungen Besuchsverbote bei den türkischen Gefangenen ausgesprochen werden. Menschen, die Prozesse besuchen und/oder Informationsarbeit zu den Verfahren betreiben, geraten sofort unter den Verdacht der "konspirativen Verbindung mit Führungskadern der DHKP-C". Solche Luftblasen scheinen mittlerweile auszureichen, um Besuche bei § 129b-Gefangenen zu verhindern. Es bestehe die Gefahr der verdeckten Nachrichtenübermittlung durch die Besucher_innen. Die Redaktion des "Gefangenen Info" weiß zumindest von 2 Mitgliedern aus Solidaritätszusammenhängen, deren Besuchsanträge bei §129b-Gefangenen abgelehnt wurden.
Die Tatsache, dass es zu den § 129b-Prozessen eine kritische Öffentlichkeit gibt, scheint die Bundesanwaltschaft und das Oberlandesgericht in Düsseldorf in besonderer Art und Weise zu irritieren. Das zeigte sich schon beim martialischen Polizeieinsatz im Mai, bei dem mehrere Prozeßbeobacher_innen verletzt wurden. Mittlerweile geht das Gericht auch gegen Print- und Onlinemedien vor. Im September trudelten beim Online-Infoportal "Scharf-Links" sowie dem "Gefangenen Info" Verleumdungsklagen ein.
- "Das Feuer erlischt nicht": Wanderausstellung von Paolo Neri zu 8 toten Gefangenen, die den Knast nicht überlebt haben.
Einleitende Worte der Veranstalter_innen aus Berlin, die Ende Oktober stattfand: "Neben dem Anliegen Neris, die Mosaike politischer Gefangener, die die Haft in BRD-Knästen nicht überlebten, in Berlin ausstellen zu wollen, spielte für uns der Jahrestag der Stammheimer Todesnacht `77 eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund eröffnen wir die Ausstellung am 18.Oktober. Während die herrschende Klasse mit ihren hörigen Schreiberlingen in den Medienanstalten ....bemüht ist, die revolutionäre Widerstandsgeschichte in diesem Land anzuschwärzen und zu diskreditieren, stellt die Aneignung dieser Geschichte einen zentralen Faktor für uns dar...... Aus diesem Grund sollen die Ausstellung und die darin integrierte Veranstaltungsreihe einen Beitrag zur authentischen Vermittlung und Auseinandersetzung mit unserer Geschichte darstellen. Darüber hinaus möchten wir einen Bogen zur Gegenwart spannen und über die Kontinuität staatlicher Repression diskutieren. Wer glaubt, dass politische Prozesse, Stammheim, Isolationshaft oder Folter der Vergangenheit angehören, irrt sich. So wie die Perspektive von einer befreiten Gesellschaft, welche die in Neris Werken portraitierten politischen Gefangenen dazu bewegte, den legitimen Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung aufzunehmen, so sollte diese Perspektive auch heute für unser Denken und unser Handeln bestimmend sein."
Die Sendung wird wiederholt am Donnerstag, den 5. November, von 11 - 12 Uhr.