Artikel von switzerland.indymedia.org
Anti-Terror Razzia am 11. November 2008 in Frankreich
Am 11. November 2008 um 6.00h Morgens begann eine der wohl grössten Razzien gegen Linke der jüngsten Geschichte Frankreichs. In Paris, Rouen, der Region Meuse und im kleinen Dorf Tarnac in Zentralfrankreich haben die französischen Behörden insgesamt 10 Leute verhaftet und dies in den vermuteten Zusammenhang mit fünf Anschlägen auf die Oberleitungen von TGV Schnellzügen gestellt. Offensichtlich waren die Personen schon länger vom Staatsschutz überwacht worden, wenn auch „aus anderen Gründen“.
Im folgenden ein Auszug aus der Presseerklärung des lokalen Unterstützungskomitees aus Tarnac:
„Wir müssen sagen, dass die Ereignisse vom Dienstag sehr beeindruckend waren. Es waren 150 Polizisten, die das gesamte Dorf abgesperrt und das öffentliche Leben gelähmt haben. Tarnac wurde überfallen von einer Armada vermummter Polizisten, Helikopter, Sprengstoffsuchhunden, Polizisten in schusssicheren Westen, Spurensicherung und Journalisten, vielen Journalisten.
Die Meldungen der AFP (französische Depeschen Agentur) erscheinen bereits um 8.30h, als ob die Journalisten ihre Berichte schon geschrieben hätten, bevor sie überhaupt im Dorf angekommen sind.
Eine Anti-Terrorbrigade, aber keine Terroristen, um ihnen eine Antwort zu geben in diesem schlechten Theaterstück. (...)
Sofort werden die Begriffe wie Hunde losgelassen: ultra-linke, Terrorismus, Anarcho-Autonome Bewegung, Terroristen, Gewalt, Schrecken, libertär, anarchistisch, nihilistisch, Splittergruppe, Kommando, und was weiss ich nicht alles...
Diese Begriffe haben von Anfang an dazu gedient, die Unschuldsvermutung zu zerschlagen und alle als Terroristen abzustempeln; ein Schockbegriff, der die Angst der Leute herauskristallisiert und der jede andere Realität, die wir hier teilen, verschleiert.
In diesem Zusammenhang wurden in Tarnac sechs Leute verhaftet.
Im Moment versucht die Polizei die Schuldigen für die Sabotage an den Oberleitungen der TGV Schnellzüge zu finden, nicht einmal die Verantwortlichen für die Beton Blöcke auf den Geleisen der Züge. Wir sind sehr weit entfernt von einem Chemischen Angriff auf die U-Bahn in Paris. Sogar der Chef der DCRI (Direction Centrale du Renseignement Intérieur, zentraler Inlandsgeheimdienst) hat kürzlich bemerkt, dass „keine Menschenleben im Zusammenhang mit dieser Affäre in Gefahr gebracht worden sind“. (...)
Aber für uns ist es heute Abend wichtig zu zeigen, was für einen unanständigen und skandalösen Charakter dieser völlig unverhältnismässige Einsatz der Polizei in Tarnac hat. Ich muss in diesem Zusammenhang nicht erwähnen, dass wir mit einer regelrechten politischen Medienoffensive konfrontiert sind. Die übertriebene Siegessicherheit der Regierung, die Schnelligkeit der polizeilichen Reaktion direkt nach den Akten der Sabotage, die Unverhältnismässigkeit des Dispositivs der Polizei und der Medien, die allgemeine Unschärfe, die diese Ultralinke umgibt, „die nichts fordert und die nicht strukturiert ist“ (Michèle Alliot-Marie, französische Innenministerin) beweisen nur den Willen der Regierung, Schuldige zu finden. Eine Regierung, die durch ihre Wirtschafts- und Sozialpolitik Mitverantwortung trägt für die aktuellen Krisen. (...)
Wir leben in einer Zeit, in der die Sozialen Bewegungen, die selber immer rarer werden, die gesellschaftliche Entwicklung in nichts mehr bremsen oder beeinträchtigen, die Situation wird jeden Tag schlimmer. Diese grossen Machtdemonstrationen dienen dazu, die allgemeine Paranoia zu nähren, die dem Westen seit dem 11. September eingepflanzt wurde. Vor allem, damit die Polizei weiterhin ungestört im Rahmen von Ausnahmezuständen und Sondergesetzen operieren kann.
Wir denken ganz besonders fest an unsere Freunde, die in diesem Moment eingesperrt sind, und wir verlangen deren sofortige Freilassung. Ausserdem rufen wir dazu auf, überall Unterstützungskomitees zu gründen.“
Kontakt: 11novembre-soutien@gmx.com
Von den Zehn verhafteten ist eine mittlerweile wieder auf freiem Fuss, offensichtlich konnte sie plausibel erklären, warum sie als Mutter ihre Tochter mehrmals auf dem überwachten Bauernhof besucht hatte. Die anderen werden am Samstag 15.11. nach 96 Stunden „garde à vue“ (Polizeigewahrsam) endlich einem Haftrichter vorgeführt. Während des Gewahrsams hatten sie bisher nur äusserst eingeschränkt ein Recht auf einen Kontakt von maximal 30 Minuten mit einem Anwalt, da sie unter Anti-Terror-Gesetz angeklagt sind. Die Staatsanwaltschaft hat die Anklage gestern an einer Medienkonferenz präsentiert: Fünf werden als harter Kern bezeichnet. Ihnen wird vorgeworfen, „eine verbrecherische Vereinigung mit terroristischer Absicht“ begründet zu haben und „die Urheber von gemeinschaftlicher Sachbeschädigung am Schienennetz mit terroristischer Perspektive“ zu sein, Delikte die mit bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft werden. Einer von ihnen wird als „Chef“ bezeichnet, ihm wird vorgeworfen „Führer einer Struktur mit terroristischem Ziel“ zu sein. Ihn könnten laut Medienberichten bis zu zwanzig Jahre Haft erwarten. Den anderen vier wird die Beteiligung an einer „verbrecherischen Vereinigung mit terroristischer Absicht“ unterstellt, gegen sie gibt es überhaupt keine Beweise, die sie in den Zusammenhang mit den Sabotageakten auf die SNCF rücken würden.
siehe:http://switzerland.indymedia.org/frmix/2008/11/64524.shtml und
Erklärung des Unterstützungskomites:
Sabotages SNCF: création d'un comité de soutien aux interpellés de Tarnac
14/11/2008-[20:39] - AFP
TARNAC (Corrèze), 14 nov 2008 (AFP) - Un comité de soutien aux cinq jeunes corréziens interpellés dans l’enquête sur les "sabotages" contre le réseau SNCF a été officiellement crée vendredi soir à Tarnac, le village dans lequel ils vivaient, a constaté un correspondant de l’AFP.
Ce comité, créé par trois personnes se revendiquant "de gauche", a pour principal objectif de dénoncer la manière dont les cinq personnes ont été interpellées, a expliqué lors d’une conférence de presse un des co-fondateurs, Thierry Letellier, maire de la commune voisine de La Villedieu. "Leur façon de faire était inacceptable", a-t-il souligné, estimant que c’est "une affaire qui tombe à pic politiquement". "Ce sont des gens qui fuient l’anonymat et l’aggressivité des grandes villes et que l’on vient rafler car ils ont décidé de vivre autrement et pour cela on fait l’amalgame avec des terroristes", a pour sa part dénoncé Michel Ginnaber, un habitant de la commune proche de la communauté à laquelle appartenaient les cinq jeunes. Pour ce co-fondateur du comité, créé au lendemain d’une réunion qui a rassemblé, selon les organisateurs, près d’une centaine d’habitants de Tarnac, "la façon dont on les présente est différente de la réalité partagée ici dans le village", ajoutant qu’ils "vivent de façon ouverte et sont bien intégrés". Des propos confirmés par Jean Plazanet, élu municipal et maire PC de la commune entre 1967 et 2008, qui a expliqué avoir été "le premier à accueillir" le chef présumé, un homme de 34 ans, en lui permettant de louer une chambre dans l’ancienne maison de retraite. "Il est d’une grande intelligence et gentillesse", a-t-il affirmé. Pour lui, cette vingtaine de jeunes venaient repeupler ce village du plateau de Millevaches, et donc "il y avait nécessité d’être fraternels avec eux". "Grâce à eux, il y a encore une épicerie et de quoi manger dans le village", a souligné l’élu municipal, les qualifiant de "monsieur et madame tout le monde" qui "se lèvent à 6 heures du matin pour préparer leurs légumes et les amener aux vieux". Le procureur de la République de Paris, Jean-Claude Marin, a annoncé vendredi l’ouverture d’une information judiciaire sur les récents sabotages à la SNCF et requis la mise en examen des neuf gardés à vue, notamment pour "association de malfaiteurs en relation avec une entreprise terroriste".
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