Vom 16. bis 24. August 2008 finden in Hamburg ein Antirassistisches Sommercamp und ein Klimacamp statt. Der Aufbau hat bereits begonnen und es gab bereits erste direkte Aktionen gegen rassistische SchreibtischtäterInnen.
Verschiedenste selbstorganisierte MigrantInnen- und Flüchtlingsgruppen und antirassistische Zusammenhänge bereiten das Antira-Camp vor. Im folgenden ein paar Eindrücke kurz vor dem "offiziellen" Start.

Im Rahmen des Camps sind zahlreiche Aktionen geplant: Gegen Abschiebung und Frontex, gegen die Festung Europa und für globale Bewegungsfreiheit. Das AntiraSommerCamp 08 stellt sich in den Zusammenhang und die Kontinuität der vielfältigen, antirassistischen Kämpfe gegen das Grenzregime Deutschlands und Europas, der vergangenen Grenzcamps, NoLagerTouren und des Widerstandes in Heiligendamm 2007.
Fluten 3.0
Nach den ermutigenden Erfahrungen von Heiligendamm, die gezeigt haben, dass mit einer großen Masse von aktiven Menschen, die gemeinsam ein Ziel verfolgen, viel erreicht werden kann, wird von verschiedener Seite zu einer großen Massenaktion am Freitag, den 22. August aufgerufen: Das Fluten des Hamburger Flughafens - ist nur eine Aktion, die hier exemplarisch herausgegriffen wurde.
Unter dem Motto Fluten 3.0 heißt es: Wir Fluten den Hamburger Airport. Egal wie, mit was, durch wen ... ob adrett im Smoking, touristisch mit Rollköfferchen, laut durch Soundanlage, authentisch mit Flugticket, plakativ mit Transpis, wütend mit Sonnenbrille, bunt als Clowns, einfach ganz-so-wie-dues- willst ... Ziel ist, dass sich möglichst viele Leute beteiligen, am Camp wird es Informationsveranstaltungen und Trainings geben.

Der Hamburger Flughafen ist eine zentrale Infrastruktur für Abschiebungen aus Hamburg. Aber nicht nur nehmen dort die schon schlimm genugen tagtäglichen Abschiebungen ihren Anfang, vom Hamburger Flughafen gehen auch immer wieder sogenannte Abschiebecharter aus: Eigens für Abschiebungen gecharterte Maschinen, in denen MigrantInnen und Flüchtlinge aus ganz Europa abgeschoben werden. Diese Sammelabschiebungen werden von der Ausländerbehörde Hamburg organisiert, sie ist damit eine zentrale europaweit tätige Abschiebeagentur. Erfahrungen mit deportation.class Kampagnen haben gezeigt, dass die kommerziellen GehilfInnen der Abschiebemaschinerie stärker auf Druck reagieren als staatliche Stellen.
Es hat gekracht in der Nacht
Am 13. August 2008 meldeten diverse Medien, dass in der Nacht zuvor ein "Anschlag" auf die Wohnung eines Mitarbeiters der AusländerInnenbehörde stattgefunden habe. Ein Stein durchschlug ein Fenster und an der Außenwand befindet sich seither die Parole "Abschiebung = Mord". Die Hamburger Morgenpost berichtete außerdem von einer Farbbeutelattacke auf das Haus des Chefs der AusländerInnenbehörde und einem brennenden Fahrzeug der Firma Dussmann, die mit Essenslieferungen an AsylbewerberInnenunterkünften ihr Geld verdient.

Der Hamburger Innensenator Alhaus, der kurz zuvor in einem Interview mit der taz zugab, dass die Abschiebepolitik der Stadt Hamburg in der Vergangenheit nicht in Ordnung war, packte als Reaktion die Gewaltkeulte aus und forderte eine Distanzierung von Gewalt von Seiten des Camps. Er drohte mit einer Polizei, die sich auf die Situation eingestellt habe. Wer wie so manche antirassistische AktivistIn mal Flüchtlinge auf die Ausländerbehörde begleitet hat weiß, dass im ganzen System eine Gewalt gegen AusländerInnen existiert, die wesentlich mehr zerstört als nur eine Fensterscheibe. Mehr dazu auf camp08.antira.info.
Die Pressegruppe des Antirassismus-Camps gab als Reaktion auf eine Presseerklärung des Hamburger Innensenators folgende Stellungnahme ab:
"Gewalt, auch strukturelle, liegt dort vor, wo Tausende Flüchtlinge im Meer ertrinken, obwohl sie gerettet werden könnten oder, angekommen in Deutschland, in Lagern im Niemandsland untergebracht werden und diese wegen der Residenzpflicht nicht verlassen dürfen. Oder wo Familien, wie kürzlich in Hamburg geschehen, mitten in der Nacht abgeholt und in den Tod oder den Hunger abgeschoben werden.
Dass diejenigen, die das direkt oder indirekt mitbetreiben, davon ablenken wollen, und den Widerstand dagegen von vorn herein durch allerlei Androhungen minimieren und spalten wollen, ist keine neue Taktik. Für uns kommt es darauf an, nicht von den realen Gewaltverhältnisse abzulenken."
Beteiligung ist erwünscht
Nach langem Hinhalten, tagelangen Verhandlungen und erst auf massiven politischen Druck hat der schwarz-grüne Senat in Hamburg ein Campgelände im Hamburger Stadtteil Lurup zur Verfügung gestellt. Mit einigen Leuten aus den Vorbereitungsgruppen des AntiRa- und Klimacamps wurde ein Vertrag für einen Platz am Vorhornweg unterzeichnet. Ursprüngliches Ziel der Camp-AktivistInnen war, eine Erlaubnis für den innenstadtnahen Park Entenwerder zu bekommen, was aber letztendlich scheiterte. Trotz des nicht so zentralen Platzes ist geplant, die Proteste in Hamburg mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen sichtbar zu machen.

Der Aufbau des Camps geht bereits voran. Und wie das so ist mit der Bürokratie, funktioniert nichts. KeineR darf entscheiden, mensch wird von A nach Z und zurückgeschickt und am Ende sind einmal gemachte Zusagen doch nie gemacht worden. Dennoch: die AktivistInnen setzen sich durch, die leicht zu durchschaubare Strategie der Stadt, Steine in den Weg zu legen, geht nicht auf. Das Camp, so ist aus Hamburg zu hören, wird grandios.
Alle Interessierten sind eingeladen, sich an Camp und Aktionen, Veranstaltungen und Workshops zu beteiligen. Alle Hände werden benötigt, denn so ein Camp baut sich nicht von alleine auf und läuft auch nicht ohne Beteiligung. Das Camp soll selbstorganisiert, basisdemokratisch und möglichst hierarchiefrei funktionieren. Unten finden sich noch ein paar Fotos, die schon mal einen ersten Eindruck vermitteln sollen, was noch kommen kann.
Weitere Informationen
Zum Klimacamp:
http://www.klimacamp08.net
http://de.indymedia.org/oekologie
Zum Antiracamp:
http://camp08.antira.info
http://www.fluechtlingsrat-hamburg.de
http://de.indymedia.org/antirassismus
Ergänzungen
Die Camps sind da!
Pressemitteilung
vom Vorbereitungskreis des Antirassimuscamps
vom Vorbereitungskreis des Klimacamps
Hamburg, 15.08.2008
Die Camps sind da!
Gemeinsame Auftaktaktion: Demonstration in der Hamburger Innenstadt
Immer mehr Zelte werden auf dem Campplatz im Hamburger Stadtteil Lurup aufgebaut. Neben den großen Zelten für Versammlungen, die zahlreichen Workshops und die Küchen kommen auch immer mehr kleine Zelte der anreisenden Camp-TeilnehmerInnen hinzu.
Heute Abend beginnt das Klimacamp mit einem großen Eröffnungsplenum, auf dem die Veranstaltungen und Aktionen der Woche besprochen werden und ebenso die praktischen Fragen des Camp-Lebens diskutiert werden.
Morgen am Samstag kommt dann das antirassistischen Camp dazu, mit dem das Klimacamp ein gemeinsames Doppel-Camp bildet.
"Bis zum Eröffnungsplenum am Abend rechnen wir mit 300 Leuten. Die Stimmung ist schon jetzt von freudiger Erwartung auf die gemeinsamen Diskussionen und von gespannter Entschlossenheit für die vielen geplanten Aktionen geprägt.", berichtet Ines Koburger vom Klimacamp. "Die Zahl der CamperInnen wird im Verlauf der nächsten Woche noch stark zunehmen und unmittelbar vor den großen Aktionen am Freitag am Flughafen und am Samstag an der Kraftwerksbaustelle in Moorburg ihren Höhepunkt erreichen.", ergänzt Tadzio Müller.
Für den morgigen Samstag ist neben weiterem Aufbau des Camps und ersten inhaltlichen Workshops vor allem die gemeinsame Auftaktdemonstration vom antirassistischen Camp und Klimacamp geplant. Die Demonstration unter dem Motto "Für ein ganz anderes Klima - Globale soziale Rechte für alle!" beginnt um 16 Uhr am Hamburger Hauptbahnhof (Kirchenallee).
"Mit der Demonstration wollen wir zeigen, dass die Camps in Hamburg angekommen sind. Wir wollen zeigen, dass wir in der nächsten Woche den Finger in die Wunden legen wollen, die sich hinter Hamburgs Wohlstands- und Glitzerfassade auftun. Wir klagen die rücksichtslose Abschiebepolitik an, wie sie sich gerade in Hamburg deutlich zeigt. Wir kündigen Widerstand gegen den Neubau von Kohlekraftwerken an, der allen Lippenbekenntnissen zum Klimaschutz Hohn spricht. Wir setzen uns ein für das globale Recht auf Bewegungsfreiheit und für die Enteignung der Energiekonzerne.", fasst Andrea Doria von der Pressegruppe des antirassistischen Camps das Anliegen der Demonstration zusammen. An der Demonstration werden auch internationale Gäste teilnehmen: Victor Nzuzi von der KleinbäuerInnenorganisation Via Campesina und Emmanuel Mbolela, politischer Flüchtling aus der DR Kongo, nach langem Transit in Marokko jetzt in den Niederlanden.
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