Die meisten Schätzungen gehen von um die 700 TeilnehmerInnen an dem rassistischen, islamophoben Aufmarsch heute nachmittag im 20. Wiener Gemeindebezirk (Brigittenau) aus. Auf Seite der GegendemonstrantInnen werden sich wohl kaum 100 Leute versammelt haben.
Aufgerufen hatte eine "parteiunabhängige Bürgerinitiative" die sich an dem geplanten Ausbau eines muslimischen Zentrums in der Dammstrasse stößt. Wer einen Blick auf die homepage der Initiative (www.moschee-ade.at) wirft bekommt recht schnell einen Eindruck davon welche umfassendere kulturkämpferische Mission sich die Herren und Damen Bürger sich da auferlegt haben.
"Wo der Halbmond aufgeht, geht das goldene Wienerherz unter!" und andere, eher einfach gestrickte, Rassismen werden da zum besten gegeben. Konsequenterweise fordert die Bürgerinitiative nun auch die Absiedelung des Gebetsraums aus "ihrem" Wohngebiet.
Zur Kundgebung gekommen ist eine unappetitliche, aber umso typischere Wiener Melange aus ganz normalen Alltagsrassisten, FPÖ/RFS Funktionären (inkl. Strache und Gudenus), AFP und NVP AktivistInnen und auch eine ganz ansehnliche Menge von Bilderbuchneonazis, welche später "Hier marschiert der nationale Widerstand!" skandierend auf ein paar mutige, aber zahlenmäßig hoffnungslos unterlegene autonome Antifas losgingen. Die Wega klärte die Situation schließlich in gewohnt souveräner Art indem sie sämtliche Antifas an die Wand klatschte.
Der "Nationale Widerstand" war in der Rassistendemo mit gut 20 Schlägertypen vertreten und fiel bei der Abschlusskundgebung mit der Parole "Ali, Mehmet, Mustafa - geht zurück nach Ankara!" auf. Viele von ihnen konnten beim Verteilen von Flugblättern der "Nationalen Volkspartei" beobachtet werden, ihrer homepage nach offenkundig
ein Projekt unter Beteiligung des Wiener Neonazis Robert Faller (Anmelder der Nazikundgebung am Heldenplatz).
Islamophobie als akzeptiertester Rassismus
Ein derartiger Aufmarsch wie heute ist in Österreich tatsächlich eine Seltenheit. Der mobilisatorische Erfolg der Rechtsradikalen ist wohl einerseits der massiven Unterstützung durch die FPÖ geschuldet (Inserate, Postwurfsendungen, etc.) andererseits aber auch ganz sicher der Themenwahl. Haben reine Nazikundgebungen, wie Robert Fallers Stelldichein vor ein paar Jahren am Heldenplatz, an Zahlen gemessen noch wenig Erfolg, ist der Kampf gegen den "artfremden" (Erwin Pröll) Islam einer der im gesamten politischen Spektrum, wenn auch in unterschiedlicher Art und Weise, Unterstützung erfährt.
Wer auf dieses Thema setzt baut auf einen breiten gesellschaftlichen Diskurs auf, der den alten rechten Topos der "Überfremdung" an einer spezifischen gesellschaftlichen Minderheit konkretisiert und gleichzeitig über verschiedene argumentative Schienen, von Terrorgefahr bis Frauenrechte, alltagstauglich und für viele politisch verträglich macht.
Deshalb tourt HC Strache auch nach Deutschland um bei Pro-Köln zu gastieren. Deshalb überbieten sich der orangene Kärntner, und der schwarze niederösterreichische Landeshauptmann in letzter Zeit mit xenophoben Aussagen zum Thema Islam. Und wir können sicher sein, dass wird in dem Ton weitergehen.
Deshalb war auch der heutige Aufmarsch der Rechten in der Brigittenau nicht bloß ein Treff ekelhafter, aber gesellschaftspolitisch gesehen irrelevanter Naziglatzen. Islamophobie ist nicht die Ideenwelt einiger Ewiggestriger sondern die up to date Variante eines völkischen
Konstrukts aus Leitkulturen und Assimilationsforderungen welches von Regierungsbänken aus vertreten, und exekutiert wird. Die Rechtsradikalen sammeln ein was dabei für sie abfällt.
Nächstes Mal sollten wir mehr sein und uns darauf vorbereiten die Rassisten zu stoppen.
Kommentare
Kommentar hinzufügen